Für eine einfache Türöffnung ohne Beschädigung verlangen manche Notdienste 200 Euro und mehr, nachts und am Wochenende kommen Zuschläge obendrauf. Die Verbraucherzentralen sammeln seit Jahren Beschwerden über Rechnungen, die ein Vielfaches des ortsüblichen Preises betragen. Seriöse Betriebe nehmen für denselben Handgriff tagsüber meist zwischen 80 und 120 Euro. Besonders ärgerlich daran: Ein großer Teil dieser Einsätze wäre vermeidbar gewesen.
Denn der Notdienst rückt selten aus, weil ein Schloss kaputt ist. In den meisten Fällen ist der Schlüssel verloren gegangen oder liegt noch in der Wohnung, und ein Zweitschlüssel existiert nicht. Wer rechtzeitig für Ersatz sorgt, erspart sich den teuersten Anruf des Jahres.
Was dabei viele nicht wissen: Für einen Nachschlüssel braucht es nicht zwingend das Original. Bei den meisten Herstellern genügt die Schlüsselnummer, die auf dem Schlüsselkopf, der Sicherungskarte oder dem Zylinder eingeprägt ist. Anhand dieses Codes lässt sich der Schlüssel maschinell nachfertigen. Wer auf diesem Weg seinen Schlüssel online nachmachen lässt, zahlt ab 10,50 Euro und hat den Ersatz nach ein bis drei Tagen im Briefkasten. Ist die Nummer nicht mehr lesbar, reicht bei vielen Anbietern auch ein scharfes Foto von beiden Seiten des Schlüssels.
Die Rechnung dazu ist schnell gemacht. Ein Zweitschlüssel für gut zehn Euro, bestellt an einem ruhigen Nachmittag, steht gegen eine Notdienstrechnung von 200 Euro um halb zwölf nachts. Selbst wer gleich mehrere Ersatzschlüssel für die ganze Familie ordert, bleibt unter dem Preis einer halben Stunde Notdienst.
Das Verfahren deckt dabei weit mehr ab als die Haustür. Auch Briefkastenschlüssel, Möbelschlüssel, Schlüssel für Vorhängeschlösser und viele Fahrradschlösser lassen sich über die Nummer nachbestellen. Gerade bei Briefkästen lohnt sich das, weil Hausverwaltungen für ein neues Schloss gern mehrere Wochen brauchen.
Ein paar Einschränkungen gibt es. Bei Schließanlagen in Mehrfamilienhäusern ist meist die Sicherungskarte nötig, und die liegt beim Vermieter oder der Hausverwaltung. Ohne diese Karte fertigt kein seriöser Anbieter einen Nachschlüssel, das gehört zum Kopierschutz solcher Anlagen. Mieter sollten den Verlust eines Wohnungsschlüssels ohnehin melden, allein schon wegen der Haftungsfrage.
Bleibt der Fall, dass die Tür bereits ins Schloss gefallen ist und kein Ersatz existiert. Dann führt kein Weg am Notdienst vorbei, aber auch hier lässt sich Geld sparen: schon am Telefon einen Festpreis für die Türöffnung nennen lassen, keine Barzahlung unter Druck akzeptieren und auf einer Rechnung mit einzeln ausgewiesenen Posten bestehen. Eine zugefallene Tür, die nicht abgeschlossen wurde, öffnet ein Fachmann in wenigen Minuten. Dreistellige Zuschläge sind dafür kaum zu rechtfertigen, und wer sich am Telefon nicht auf einen Preisrahmen festlegen will, ist meist der falsche Anbieter.
Am günstigsten fährt trotzdem, wer gar nicht erst in diese Lage kommt. Ein Ersatzschlüssel beim Nachbarn, ein zweiter an einem festen Platz im Büro oder bei den Eltern, und die Nummer des Haustürschlüssels einmal im Handy fotografiert. Mehr Vorbereitung braucht es nicht, um aus einem teuren Notfall eine Bestellung für kleines Geld zu machen.
