News / 28. October 2011 - 22:00 Uhr

Sächsische Hochschulen überlastet - Weitere Kürzungen an Hochschulen geplant

Der Ansturm auf die sächsischen Hochschulen ist auch im Wintersemester 2011/2012 ungebrochen. Damit reiht sich Sachsen in das bundesweite Bild der ansteigenden Studierendenzahlen an den Hochschulen ein. Die Entwicklungen sind nicht neu, denn seit Anfang der 90er Jahre ist ein kontinuierlicher Zuwachs von Student*innen in Sachsen zu verzeichnen. Doch die logische Konsequenz, bei steigender Nachfrage auch das Angebot zu erhöhen, bleibt aus. Stattdessen sollen an Sachsens Hochschulen ca. 1000 Stellen bis zum Jahr 2020 gestrichen werden.

Das sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK) legte im Mai diesen Jahres seinen Entwurf eines Hochschulentwicklungsplans (HEP) vor.

Mit dem Entwicklungsplan will das Ministerium bevorstehenden Phänomenen vorbeugen. So soll der HEP unter anderem dem demografischen Wandel entgegentreten. „Wenn es zukünftig einen demografischen Wandel geben wird, was bis jetzt hauptsächlich Spekulationen sind, dann ist die Rechnung, dass es aufgrund niedriger Geburtenzahlen auch weniger Studierende geben wird, einfach falsch“, kom-mentiert Florian Sperber, Referent für Hochschulpolitik des StudentInnenRats der Universität Leipzig (StuRa). Denn die Schlussfolgerung des SMWK, dass der demografische Wandel und die Höhe der Studierendenzahlen im unmittelbaren Zusammenhang stehen, kann nur als unzutreffend bezeichnet werden. „Seit Jahren steigt sowohl die Anzahl der Abiturient*innen innerhalb eines Jahrgangs als auch die der ausländischen Studierenden an deutschen Hochschulen. Nun kommen doppelte Abiturjahrgänge und der Wegfall von Wehr- und Zivildienst hinzu. Wer mit diesen Entwicklungen im Kopf und den Erfahrungen der letzten Jahre noch davon ausgeht, dass die Anzahl der Studierenden rückläufig wäre, der verschließt seine Augen vor der Wirklichkeit“, erklärt Magdalena Protte, Referentin für Hochschulpolitik beim StuRa.

Schon mit der Einführung des Bachelor/Master-Systems an den deutschen Hochschulen kam es zur finanziellen Mehrbelastung und zum erhöhten Betreuungsbedarf. Im Freistaat wurde in der Übergangsphase der Mehrbedarf jedoch nicht abgedeckt, sondern Hochschulmittel reduziert. „Der Preis dafür ist eine hoffnungslose Überlastung der Lehrenden sowie prekäre Beschäftigungsverhältnisse für akademische Mitarbeiter*innen und studentische Hilfskräfte“, erklärt Mirco Knof, studentischer Senator an der Universität Leipzig.

Durch festgelegte, auf ein Turbostudium angelegte, Regelstudienzeit haben Studierende weniger Zeit sich neben dem Studieren auf gesellschaftlich wichtige Themenfelder zu konzentrieren. Wie sollen Menschen selbstständige, kritische und hinterfragende Menschen bleiben, wenn die Bildung sie nur zu eine Funktion ausbildet: Humankapital, das auswendig lernen kann.
(AStA TU und FU Berlin)