News / 26. October 2011 - 22:00 Uhr

Keine Fortschritte zu sehen, Frau Merkel!

Anlässlich des Treffens am Donnerstag zwischen der nicht erschienenen Bundeskanzlerin Merkel und der Kultusministerkonferenz sehen sich die verfassten Studierendenschaften der Universitäten FU und TU gezwungen den angeblichen Erfolgen im Bildungswesen und den Lobreden auf die Finanzierung in den Hochschulen massiv zu widersprechen.

Anne Schindler vom AStA FU hierzu: „Das die Zahl der Studierenden bundesweit aufgestockt werden konnte, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Das diese Aufstockung jedoch in keinerlei Relation zur Bewerber_innenzahl steht, zeigt dass es sich hier mehr um ein Zahlenspiel, als um tatsächliche Verbesserung handelt. Eine Erhöhung der Studierendenzahl muss mit einer Ausweitung der finanziellen Mittel für Lehrende, Verwaltung etc. einhergehen, sonst führt die geforderte Aufstockung zur weiteren Verschlechterung der Studienbedingungen. Studierende, die sich Vorlesungen über Leinwände anschauen müssen, nicht genug Forschungsplätze finden und exmatrikuliert werden können, wenn sie nicht den Expresstudienplänen der Hochschulen folgen ist wohl kaum ein Schritt in die Bildungsrepublik von morgen.“

Christine Ilgert Referentin im AStA TU erläutert die Situation an ihrer Hochschule: „Vielleicht sind an der ein oder anderen Hochschule in Deutschland ein paar mehr Studierenden immatrikuliert worden. An der TU scheint die Aufstockung der Studienplätze im Vergleich zum Vorjahr aber spurlos vorüber gegangen zu sein, wäre aber ob der Aussetzung der Wehrpflicht dringend notwendig gewesen. Die Knappheit der Studienplätze ist insbesondere für Berlin auch noch nicht im vollen Umfang erreicht, denn die relevanten doppelten Abiturjahrgänge, Berlin und Brandenburg, bewerben sich erst zum nächsten Semester und das auch noch gleichzeitig.“ Eine erhöhte Studienanfänger_innenzahl ist wohl kaum Ausdruck der Politik Schavans und Merkels, sondern den doppelten Abiturjahrgängen und dem Wegfall der Wehrpflicht geschuldet und dem dadurch entstandenen Druck auf die Politik, sich diesem Problem wenigstens scheinbar angemessen zu widmen.

Ein besonders gravierendes Problem und für die Studierenden der Asten nicht erreichtes Ziel ist eine realisierte, soziale Öffnung der Hochschulen. Das Bildungswesen, so die Studierenden, zeigt bereits zu Beginn, dass nur einige wenige Zugang zu guter Bildung haben. Sonst wäre der Ausbau an Krippen- und Kitaplätzen längst vollzogen, Schulen wären inklusiv und das mehrgliedrige Schulsystem abgeschafft. Auch zum Studium würden nicht nur, die meist eh schon priveligierten 1-er Abiturient_innen zugelassen. Für alle anderen gibt es leider keine Lobby in diesem Bildungssystem.

Entscheidender Faktor für eine gute Bildung ist jedoch nicht nur mehr Geld. Auch der Geist der Bildung geht verloren. Anja Naujoks vom AStA FU dazu: ”Wenn Lehrende mehr Zeit in Drittmitteleinwerbungen als für Lehre investieren müssen und ganze Bildungszweige von Unternehmen organisiert werden, wo bleibt dann die Unabhängigkeit und Freiheit für Lehre und Forschung? Wenn Wahlfreiheiten dank Bachelor und Master immer weiter eingestampft werden, wie kann eine dreijähriges Studium dann berufsqualifizierend wirken?”

Durch festgelegte, auf ein Turbostudium angelegte, Regelstudienzeit haben Studierende weniger Zeit sich neben dem Studieren auf gesellschaftlich wichtige Themenfelder zu konzentrieren. Wie sollen Menschen selbstständige, kritische und hinterfragende Menschen bleiben, wenn die Bildung sie nur zu eine Funktion ausbildet: Humankapital, das auswendig lernen kann.

Genau aus diesen Gründen werden auch wir uns im Herbst an den Bildungsprotesten beteiligen und wollen alle Menschen dazu aufrufen sich anzuschließen.

einzig meinem Wissensdurst nachzugehen und mich nicht in einen Studiengang zwingen zu lassen, der nichts wollte als den Studenten in möglichst kurzer Zeit möglichst gründlich für einen Brotberuf zu spezialisieren und jene Ahnung von Freiheit und Universalität in ihm abzutöten.
(Hermann Hesse)