News / 27. September 2011 - 22:00 Uhr

Das BAföG wird 40 Jahre

Das gute alte BAföG wird 40 Jahre alt. Die ersten Falten sind schon da und zwar nicht wegen des Altern sondern eher wegen des Stresses, den das liebe BAföG mit den Politiker_innen immer hatte. Als es 1971 beschlossen wurde, handelte es sich um einen Vollzuschuss. Das heißt, Studierende mussten damals nichts zurück zahlen. Dies hatten sich die Studierenden auch verdient – haben sie doch seit 1966 für Reformen in der Hochschule und Gesellschaft gekämpft und das Arbeitermädchen vom Land hatte es um einiges schwieriger als ein Beamtensohn aus der Stadt – damals wie heute.

Das BAföG machte es vielen Studierenden erst möglich zu studieren. Rund 44% aller Studierenden konnten 1971 BAföG beantragen. Doch, so dachte sich manch ein Neider, dann könne ja jeder studieren. Nach nur drei Jahren strich die Politik den Zuschuss und machte daraus ein Halbdarlehen. Und damit konnte das BAföG schnell zur Schuldenfalle werden.

Die Zeiten wurden noch härter und die Menschen wollten nichts mehr von Hochschulrevolten wissen. Die links-liberale Regierung unter Schmidt ging schon fast unter, da kürzten sie schnell nochmal das BAföG. Außerdem durfte man es nicht mehr rückwirkend beantragen und für jeden einzelnen BAföG-Empfänger wurde das Geld weniger. Da war es 10 Jahre alt.

Zwei Jahre später kam die konservative Wende mit „Birnchen“ Kohl. Kohl schlug vor, aus dem Halbdarlehen ein Volldarlehen zu machen. Das bedeutet, dass man jeden Cent zurückzahlen sollte. Damit sollten erstens weniger Interesse an dem BAföG bekommen und zweitens würde der Staat Geld sparen. Dass Angst vor Verschuldung junge Menschen vom Studium abhält, war jedoch einer der Gründe, warum das BAföG überhaupt entstand. Damit wurde der Gedanke des BAföGs ad absurdum geführt.

Und so kam es auch: nur noch 15 bis 20% aller Studierende beantragten noch BAföG. Jahre später, immer noch unter Helmut Kohl, wurde aus dem Volldarlehen wieder ein Halbdarlehen. Doch dies änderte nichts mehr daran, dass die abschreckende Wirkung der Verschuldung blieb.

Unter einer neuen rot-grünen Regierung war das BAföG dann schon ganz unten angekommen. 1999 beantragten nur noch 12,6% überhaupt noch BAföG. Als das BAföG im Jahr 2001 30 Jahre alt wurde, wurden einige Dinge geändert. Zumindest wurde eine Schuldenobergrenze von 10.000 Euro wurde festgelegt. Damit wurde wenigstens eine der vielen Forderungen von Wissenschaftler_innen und Studierenden erfüllt. Der Großteil der Forderungen wurde jedoch auch von einer rot-grünen Regierung ignoriert.

Vier Jahre später, 2005, wurde aus CDU-Kreisen (unter anderem auch von der aktuellen Bundesbildungsministerin Annette Schavan) sogar eine Abschaffung des BAföGs und ein Kreditsystem gefordert. Das bedeutet, dass Banken und Versicherungen aus dem finanziellen Nachteil Geschäfte machen können. Zeitgleich wurden jedoch auch sukzessive Studiengebühren eingeführt und auch hierfür sollten Kreditsysteme entstehen. Es bei den Forderungen, da ihnen die Einführung von Studiengebühren wichtiger war, als die Abschaffung des BAföGs. Hätten sich die Studiengebühren durchgesetzt, wäre es sicherlich nur eine Frage der Zeit gewesen, bis das BAföG gefallen wäre.

2007 erhöhte man nach über zehn Jahren das BAföG um ein paar Euro. Doch die Teuerungsrate dieser Zeitspanne ist deutlich höher als die Erhöhung und so wird das BAföG Jahr für Jahr real geringer und damit wird der finanzielle Spielraum der darauf angewiesenen Studierenden immer geringer. Viele BAföG-Empfänger behelfen sich durch Nebenjobs, um in den Universitäts- und Hochschulstädten immer teurere Mieten und immer teurere Lebensmittel zahlen zu können. Trotz BAföG ist es in vielen Fällen nicht mehr möglich ohne zusätzliche Einkommensquelle auszukommen.

Die vielen Geschichten haben des BAföG alt gemacht. Doch träumt es auch mit seinen vierzig Jahren immer noch davon als Vollzuschuss jeden Studierenden glücklich zu machen – oder noch :besser nicht nur Studierende bekommen es sondern alle. Das würde das BAföG glücklich machen und alle Menschen ebenso.

Leute, esst Scheiße, 10 Millionen Fliegen können nicht irren!
(Volksmund)