Artikel

Verfasste Studierendenschaft - Hintergrundartikel

Verfasste Studierendenschaft

An der Hochschule bilden Studierende zahlenmäßig zwar die größte Gruppe; dennoch haben sie nach dem derzeitigen Modell der professorendominierten Gruppenhochschule in den akademischen Gremien nur eine relativ einflusslose Minderheitenposition. So haben sie beispielsweise formal Stimmrecht in den universitären Selbstverwaltungsgremien, doch die Stimmverteilung in den universitären Gremien ist eindeutig undemokratisch organisiert.

Die Verfasste Studierendenschaft stellt damit die einzig existierende Institution für Studierende dar, die ihnen die erforderlichen Mitbestimmungsrechte gewährleistet, um sich nachhaltig an den Auseinandersetzungen über Hochschule, Wissenschaft und Gesellschaft zu beteiligen. Nur in einer Institution wie der Verfassten Studierendenschaft, lässt sich ein studentischer Meinungs- und Willensbildungsprozess organisieren. Eine gesetzliche Verankerung der Verfassten Studierendenschaft im Hochschulrahmengesetz ist daher unerlässlich.

Geschichte der Verfassten Studierendenschaft und aktuelle Veränderungen

Nachdem 1945 die »Deutsche Studentenschaft« als typische nationalsozialistische Organisation aufgelöst wurde, legten die West-Alliierten im Rahmen des Reeducation-Programms erste Richtlinien für eine demokratische Studierendenvertretung fest. Die demokratische Studierendenvertretung bekam damals hauptsächlich soziale Aufgaben sowie Aufgaben im Bereich staatsbürgerliche Erziehung und politische Bildung zugeschrieben. Die Verfasste Studierendenschaft wurde somit als studentische Partizipationsinstitution anerkannt. Max Horkheimer begrüßte die studentische Selbstverwaltung und erhoffte sich eine »echte Schule zu Demokratie«. Die Idee der Westalliierten, die Verfasste Studierendenschaft zu einem Ort der freien Meinungsäußerung zu machen wurde bis 1967 vom Staat und seinen Organen nicht nur toleriert, sondern ausdrücklich gefordert. Die politischen Äußerungen der Studierendenschaften bewegten sich in dieser Zeit auch ganz im Rahmen der herrschenden Politik. Als Mitte der 60iger Jahre die studentische Protestbewegung eine kritische Haltung gegenüber den politischen Verhältnissen einnahm und erstmals das Tabu brach, die deutsche NS-Vergangenheit zu thematisieren, wurden Studierendenvertretungen zunehmend unbequem und in ihren Äußerungen durch die das Konstrukt des »hochschulpolitischen« Mandats immer weiter eingeschränkt.

Neben der Studiengebührenfreiheit ist vor allem die ausgereifte Studienfinanzierung in diesen Ländern beispielhaft. In Finnland, Norwegen und Schweden werden alle Studierenden mit einem elternunabhängigen Grundbetrag gefördert. Im Gegensatz zum deutschen BAföG gelangen somit wesentlich mehr Studierende in den Genuss eines staatlich geförderten Studiums. Da die drei Systeme ähnlich funktionieren ist im folgenden beispielhaft das finnische dargestellt.>



Ein Grauen für alle, die ins Netz schreiben


219 Hintergrundartikel
in 40 Themen

Wähle einen Ort: