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Über den Zusammenhang von Wissenschaft, Macht und Politik

Politisches Mandat

Der Trennung von hochschulpolitischem und politischem Mandat liegt entweder die politisch bzw. juristisch artikulierte Illusion zugrunde, Hochschule/Wissenschaft und Gesellschaft/Politik seien in verschiedenen Schubladen unterzubringen – oder die politisch interessierte und juristisch verbrämte Irreführung, diese Trennung sei möglich.

Dazu, daß beides zutrifft, könnte man Adornos Hypothese anführen (Minima Moralia, 141): “Ein Deutscher ist ein Mensch, der keine Lüge aussprechen kann, ohne sie selbst zu glauben.” Meine Vermutung zu der hier aber nicht weiter interessierenden psychologisch-diagnostischen Frage, inwieweit die deutschen Akteure der Klagewelle tatsächlich durchschauen was sie tun, ist die, daß sie politischen Zielen hinterhertraben, mit deren wissenschaftstheoretischen Implikationen sie überfordert sind.

Was als Trennung von Wissenschaft/Hochschule und Politik/Gesellschaft geltend sich macht, resultiert ursprünglich aus der Verselbständigung des Hochschul- und Wissenschaftsbereichs im Zuge der Differenzierung gesellschaftlicher Arbeits- und Funktionsteilung, insbesondere der historischen Trennung von Kopf und Handarbeit. Verfestigt wird die Vorstellung der Getrenntheit Wissenschaft/Hochschule und Politik/Gesellschaft von Auffassungen, wie sie schon Friedrichs Engels auf die Schippe nahm, als er schrieb: “In Deutschland hat man sich ... leider daran gewöhnt, die Geschichte der Wissenschaften so zu schreiben, als wären sie vom Himmel gefallen.” (MEW 39, 205), als hätten sie also mit Gesellschaft und Politik nichts zu tun.

Es gibt kein Verbrechen, keinen Kniff, keinen Trick, keinen Schwindel, kein Laster, das nicht von Geheimhaltung lebt. Bringt diese Heimlichkeiten ans Tageslicht, beschreibt sie, macht sie vor aller Augen lächerlich. Und früher oder später wird die öffentliche Meinung sie hinwegfegen. Bekannt machen allein genügt vielleicht nicht - aber es ist das einzige Mittel, ohne das alle anderen versagen.
(Joseph Pulitzer)



Ein Grauen für alle, die ins Netz schreiben


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