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Rudolfs Reste-Rampe

Verfasste Studierendenschaft

Der UniSpiegel zeigt den deutschen ASten wo der Hammer hängt, doch die Stelle ist leer.

Der Artikel des UniSpiegel (Dez. 2005) über die „Chaostruppen“ der ASten in Deutschland lädt dazu ein einige Worte über journalistische Qualitätsmerkmale fallen zu lassen. Wer etwas mit der Materie vertraut ist weiß, dass der Artikel schlecht recherchiert ist und wer auch nur interessiert liest wird herausfinden, dass die gestellte Frage überhaupt nicht beantwortet wird. Stattdessen werden fröhlich und unreflektiert Klischees reproduziert. So wird der Artikel aber ungewollt doch noch zur Antwort seiner Frage und damit dann doch wieder lesenswert.

Der Spiegel weiß einiges über die ASten. Gelder werden da verschwendet, Schulden gemacht, angetrunkene VertreterInnen beschimpfen sich Stundenlang in Sitzungen, alle haben nur ihre eigene Kariere im Blick und polemisieren dabei um die Wette. Was sind das für Menschen? Die Antwort liegt auf der Hand: Es sind eben PolitikerInnen. Jeder einzelne Vorwurf, der da im UniSpiegel gemacht wird ließe sich mühelos auf Kommunalpolitik und Bundespolitik übertragen. Zugegeben Politiker haben nicht immer Studiert und wenn in der „echten“ Politik Gelder verschwendet werden, dann richtig.

Da stellt sich die Frage, warum die oben erwähnten Probleme (die es in den ASten gibt, keine Frage) die studentische Selbstverwaltung als solche in Frage stellt, die Kommunalpolitik aber nicht. KommunalpolitikerInnen werden jetzt zu Recht anmerken, dass die Vorwürfe Einzelfälle sind, wo gehobelt wird fallen Späne und überhaupt gibt es überall schwarze Schafe. Sicherlich, aber warum können das eine StudierendenvertreterInnen nicht antworten?

Der UniSpiegel gibt hier die Antwort: Die ASten bestehen aus „Chaostruppen“, nicht einzelne, sondern alle ASten. Wo sonst die Fehler ausnahmen sind, da sind die Fehler der ASten Systemimmanent. Die Botschaft ist: Die Chaoten im AStA können gar nicht anders, die verschwenden einfach Gelder, die sind so. Hier schließt sich begründet die Frage an, warum sollen wir (Deutschland) uns die eigentlich noch leisten? Sicherlich es gibt auch ASten die tolle Sachen machen, aber das ist doch die Ausnahme.

Der UniSpiegel zeigt ganz deutlich das Problem der ASten auf. Irgendwie hat sich die Überzeugung eingeschlichen, dass ASten grundsätzlich und immer nur Mist bauen. Dies ist ein Vorurteil, dem sich die verfasste Studierendenschaft tatsächlich stellen müssen. Die ASten müssen einen Weg finden ernst genommen zu werden.

Wie soll das gehen? Die ASten müssten ihre Aufgabe ernst nehmen, darin sichtbar werden und Kompetenz beweisen. Aufgabe der ASten ist die Politische Vertretung der Studierenden. Das heißt im Klartext, dass der AStA die Bedürfnisse der Studierenden gegenüber der Hochschulleitung und der Landespolitik formuliert. Die grundlegende Idee ist, dass die Studierenden durch ihre andere Sicht auf die Uni Probleme ansprechen können, die andere nicht sehen. Zum Beispiel der Klassiker Studiengebühren: Die Unileitungen sehen, dass ihre Gebäude verfallen und Stellen vakant sind usw., man braucht Geld: Da bieten sich Studiengebühren an. Die ASten wissen, dass ein Großteil der Studierenden neben der Uni arbeiten um sich das Studium finanzieren zu können und dass ein Großteil der Studis durch Studiengebühren nicht mehr studieren werden kann (besonders die, die nicht von zuhause finanziert werden). Also formulieren die ASten ihre Einwände und bringen sie in den Diskurs ein. Jetzt wörtlich UniSpiegel:



Ein Grauen für alle, die ins Netz schreiben


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