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Hochschulräte im Umbau

Hochschulreform

Hochschulräte: Wirtschaftsvertreter dominieren

Die universitären Verwaltungsstrukturen sind im Umbruch. Eine Studie hat erste Erfahrungen mit den vielerorts neu eingeführten Hochschulräten analysiert. Seit der vierten Novelle des Hochschulrahmengesetzes 1998 können die Länder die Organisationsstrukturen ihrer Hochschulen weitgehend selbst bestimmen. Die meisten Länder haben so genannte Hochschulräte eingeführt, die zumindest zum Teil mit externen Mitgliedern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur besetzt sind. Die Professoren Jörg Bogumil und Rolf G. Heinze von der Universität Bochum haben erstmals untersucht, wie sie sich zusammensetzen, wie sie arbeiten und welche Konsequenzen sich daraus für die Hochschulen ergeben. Die Ergebnisse:

  • Hochschulräte bestehen durchschnittlich aus etwa zehn Personen. Räte, die ausschließlich mit Externen besetzt sind, sind im Schnitt etwas kleiner als solche, in denen auch Beschäftigte der Hochschule sitzen.
  • Das duale Modell mit internen und externen Vertretern ist die häufigere Variante. 61 Prozent der Gremien beherbergen auch Vertreter der Uni oder FH, meist Professoren.
  • Der Frauenanteil liegt mit 22 Prozent recht niedrig.
  • Das ist völlig berechtigt, da aller Anlass zur Vermutung besteht, dass Studiengebühren die Negativeffekte eines ohnehin sozial selektiven Bildungssystems verstärken würden. Allerdings sollten wir bei dieser Betrachtung nicht stehen bleiben, da Studiengebühren auch erheblich Auswirkungen auf eine Neuausrichtung des Verhältnisses von Bildung, Wissenschaft und Gesellschaft insgesamt haben. In der Begründung des aktuellen NRW-Gebühren-Gesetzesentwurfes steht etwa zu lesen, dass es durch die geplanten »Studienbeiträge« gelänge, »wettbewerbliche Steuerungsmechanismen in das Hochschulsystem einzubringen«. Über solche Formeln wird leicht hinweg gelesen, weil sie zum üblichen neoliberalen Phraseneintopf zu gehören scheinen. Ich plädiere dafür, solche Aussagen wörtlich zu nehmen und nach den Konsequenzen zu fragen. Denn in den vorherrschenden Hochschulumbaukonzepten sollen Gebühren tatsächlich im umfassenden Sinne »steuern«: das individuelle Bildungsverhalten, den Einsatz des wissenschaftlichen Personals, die staatlichen Hochschulfinanzen und – last not least – die Inhalte von Forschung und Lehre. Unterstellt wird dabei – in der Regel ohne jegliche argumentative Begründung -, dass auf diese Weise durch mehr Wettbewerb auch der gesellschaftliche Nutzen von Wissenschaft erhöht würde.

    Die Externen rekrutieren sich im Durchschnitt zu jeweils rund einem Drittel aus der Wirtschaft und aus der Wissenschaft. An Fachhochschulen, Technischen Universitäten und Privathochschulen steigt der Anteil der Wirtschaftsrepräsentanten auf knapp die Hälfte. Unter ihnen dominieren Vertreter von Großunternehmen.

  • Vollständige Studie:

    • http://www.boeckler.de/pdf_fof/S-2007-981-5-1.pdf

    Aus Böckler-Impuls 02/2008

Wer also auf das Politische Mandat verzichtet, macht sich zum Sachverwalter der Autorität, akzeptiert das ihm zugewiesene Ghetto und bietet der Gesellschaft die Möglichkeit, die Universität nach Belieben zu manipulieren. Mit dem Lockruf nur und ausschließlich die Interessen der Studenten vertreten zu wollen, ziehen diese trojanischen Pferde als fünfte Kolonne der Obrigkeit in die studentische Selbstverwaltung ein, wo sie mit Bienenfleiß alles verwalten, ohne etwas zu ändern.
(Bonner AStA-Zeitung 66/67)



Ein Grauen für alle, die ins Netz schreiben


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