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Gebührenkredite: Augen auf beim Eierkauf!

Studiengebühren

Grundsätzlich gibt es zwei Arten an Krediten zu unterscheiden: Das Gebührendarlehen einerseits und der Studienkredit andererseits.

(Zinsentwicklung)

Das Gebührendarlehen wird nur zur Finanzierung der Studiengebühren ausgezahlt.

Jedes Bundesland, das allgemeine Studiengebühren eingeführt hat, hat sein eigenes Kreditmodell aufgelegt. Im Saarland wird sollte eine Studierende die Gebühren nicht zahlen können für Studiengebühren, die an die Universität zu entrichten sind, ein Antrag auf Überprüfung der Darlehensberechtigung gestellt beim Studierendensekretariat der UdS gestellt. Die Universität überprüft dann, ob der Antrag bewilligt werden kann. Sollte dieser Bescheid positiv ausfallen, wird von der Studierenden online ein Darlehensantrag ausgefüllt und ausgedruckt. Die Bank1Saar prüft dann im Auftrag der darlehensgebenden Bank (Kreditanstalt für Wiederaufbau, KfW) die Legitimation, also ob die persönlichen Angaben auch diejenigen der Unterzeichnenden sind, das heißt sie prüft die Echtheit der Unterschrift.

Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass an den übrigen Hochschulen im Saarland wahrscheinlich andere Verfahren vorgesehen sind. Das Kreditvergabeverfahren unterscheidet sich von Hochschule zu Hochschule. Fragen dazu beantwortet Dir hierzu Dein AStA bzw. Deine Studierendenvertretung, in der Regel das Sozialreferat.

Das Geld wird direkt an die Universität ausgezahlt. Jedes Semester kann neu darüber entschieden werden, ob ein Kredit aufgenommen wird oder ob etwas anderes günstiger erscheint. Beim saarländischen Gebührenmodell gibt es folgende Rahmenbedingungen:

  • Die Rückzahlungsverpflichtung beginnt frühestens 24 Monate nach Beendigung des Studiums (das ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich)
  • Wer weniger als derzeit 1060,-€ monatlich brutto verdient (Single), kann sich von der Rückzahlung befreien lassen (auch das ist nicht überall in Deutschland gleich)
  • Die Rückzahlung kann über 25 Jahre ausgedehnt werden, Mindestrückzahlbetrag ist monatlich 20,-€ (zzgl. Zinsen) -- auch das ist verschieden je Bundesland!
  • Der Zins liegt im Sommersemester 2007 bei 5,64% p.a. nom; in jedem Bundesland gilt ein eigener Zienssatz. Eine Übersicht bieten die Seiten der KfW.
  • Für BAföG-EmpfängerInnen gilt: Die Rückzahlungsverpflichtung aus BAföG-Förderung und Studiengebührendarlehen kann die Grenze von insgesamt 15.000 € nicht übersteigen. Darüber hinaus gehende Beträge werden erlassen, auch weiter anfallende Zinsen; das gilt jedoch nur im Saarland, in anderen Bundesländern gelten zum Teil andere Obergrenzen.
  • „Eine vorzeitige Tilgung des Darlehens ist ohne Zusatzkosten möglich.“ Ob hier nur eine einzige Tilgung ohne Zusatzkosten möglich ist und ob diese Tilgung(en) auch vor Ablauf der 24monatigen Karenzzeit vorgenommen werden kann/können, lässt das Ministerium ebenfalls offen.
  • Bis zum Beginn der Rückzahlung werden die Zinsen gestundet, es entsteht also kein Zinseszinseffekt; auch das gilt nicht überall in Deutschland!

Anbei soll eine Modellrechnung verdeutlichen, wie viel Schulden bei einem regulären Studium zusammenkommen – hierbei wird mit dem saarländischen Modell gerechnet!

1. Teil:

Sechssemestriges Studium mit Abschluss Bachelor im sechsten Semester; Zinssatz 6,1% p.a. nom. (das war die ursprüngliche Angabe des Ministeriums), jedes Semester werden die Studiengebühren über den Kredit des Landes finanziert, also die ersten beiden Semester je 300,€ plus drittes bis sechstes Semester je 500,€, also insgesamt 2600,-€ Kredit. Es wird angenommen, dass die entsprechenden Beträge jeweils zum 01.07. und zum 01.03. eines Jahres aufgenommen werden.

Demnach ist zum Ende des Studiums bereits folgender Betrag inklusive Zinsen und Zinseszinsen aufgelaufen: 2824,68€

Nach der 24monatigen Karenzzeit beträgt die Schuld bereits 3220,70€.

Jedes weitere Jahr wird weiter verzinst. Wer also erst mal fünf Jahre nach Studienende nicht zurückbezahlt, also noch weitere drei Jahre nach der Karenzzeit, hat bereits 3846,77€ Schulden angehäuft.

2. Teil:

An das sechssemestrige Bachelor-Studium schließt sich ein weiteres, viersemestriges Studium zum Master of Arts (MA); der Zinssatz soll hier weiter mit 6,1% p.a. nom. angenommen werden, es fallen je Semester 500,-€ Studiengebühren an, die alle wiederum über den Kredit finanziert werden.

So ergibt sich an Schulden am Ende des nun zehnsemestrigen Studiums: 5375,53€

Zum Vergleich: Während dieser Zeit wurden 4600,-€ Studiengebühren (= Kredit) bezahlt, der Rest sind Zinsen.

Auch hier noch die Angabe, was sich am Ende der Karenzzeit angesammelt hat: 6051,35€

Und schließlich noch die Angabe, was nach drei weiteren Jahren ohne Rückzahlung sich angesammelt hat: 7227,67€

Nach weiteren vier Jahren ohne Rückzahlung ist die gesamte Schuld schließlich nahezu doppelt so hoch wie der ursprünglich aufgenommene Kredit (4600,-€): 9159,24 €

ABER: Diese Rechnung setzt voraus, dass der Zinssatz gleich bleibt. In Anbetracht der florierenden Wirtschaft aber wird der Zins auf jeden Fall steigen – dies kommt einem volkswirtschaftlichen Gesetz gleich. Wer die Veranstaltung „Grundzüge der Volkswirtschaft Teil B“ bei Herrn Professor Dr. Christian Pierdzioch an der UdS gehört hat, wird diesen Effekt bereits kennen.

Speziell für die KfW, die den Kredit (also sowohl Studien- als auch Gebührenkredit) ja zur Verfügung stellen wird, ist oben die Zinsentwicklung seit dem bis 10/2007 anhand des KfW-Studienkredits sowie des Bildungskredits und BAföG-Bankdarlehens (für das der Bund die Bürgschaft übernimmt, wodurch ein geringer Zinssatz erreicht werden kann) seit dem 01.10.2005 veranschaulicht. Der Kredit für die Studiengebühren im Saarland ist ebenfalls eingepflegt.

Die Richtung ist also bereits vorgegeben. Auch beim Studiengebühren-Darlehen erfolgt jeweils zum 01.04. und zum 01.10. jedes Jahres eine Zinsanpassung, der Zinssatz ist variabel.

Nur mal zum Vergleich: Nehmen wir an, dass nach dem zweiten Semester des Bachelor-Studiums sich der Zinssatz um einen halben Prozentpunkt auf dann 6,6% p.a. erhöht hat. Daraus ergibt sich am Ende des BA-Studiums: 2977,78€

Die einmalige Anhebung des Zinssatzes zum dritten Semester ergibt also am Ende des BA-Studiums alleine schon eine Differenz von 116,77€.

Am Ende des MA-Studiums, also eines insgesamt zehnsemestrigen Studiums, hat man einen Schuldenberg von dann 5551,54€ und somit eine Differenz zum ursprünglich angenommenen Zinssatz von 176,01 € - wohlgemerkt, bei nur 0,5% p.a. Unterschied!

Daher: Augen auf beim Eierkauf!

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Die Original-Berechnungen können übrigens <media 2473 – download>hier betrachtet werden. Die Berechnungen gelten nur für das Kreditmodell im Saarland! In anderen Bundesländern können zum Teil andere, teils deutlich höhere Beträge zustande kommen, denn dort unterscheidet sich auch das Gebührenmodell vom saarländischen Modell!

einzig meinem Wissensdurst nachzugehen und mich nicht in einen Studiengang zwingen zu lassen, der nichts wollte als den Studenten in möglichst kurzer Zeit möglichst gründlich für einen Brotberuf zu spezialisieren und jene Ahnung von Freiheit und Universalität in ihm abzutöten.
(Hermann Hesse)



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