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Bachelor und Master: Ziele,Realität und Kritik

Hochschulreform

Ab diesem Semester werden deutschlandweit immer mehr Studiengänge nur noch im zweistufigen Bachelor und Master System angeboten. Höchste Zeit also, die wesentlichen Eckpunkte der Reform aufzuzeigen, sowie Kritik zu formulieren. Denn es liegt an den Studierenden wie die Umsetzung genau aussehen wird. Auch die Lehrenden wissen nicht, was auf sie zukommt und deshalb ist es wichtig, dass alles angemerkt wird, was schief läuft. Diese Zusammenstellung soll das fundierte Kritisieren erleichtern.

1) Warum gibt es die neuen Studiengänge und was waren die Ziele der Einführung?

1999 wurde in Bologna die Schaffung eines europäischen Hochschulraum beschlossen und die Bachelor/Master Struktur als Vorgabe mit dem Bachelor als Regelabschluss festgelegt. Ziele waren v.a. die Folgenden:

  • Größere Mobilität und Internationalität durch vergleichbarere Bewertungen, Abschlüsse und grenzübergreifende Studiengänge
  • Weniger Abbrecher durch eine straffere Struktur des Studiums und eine bessere Verzahnung der Inhalte durch einen modulären Aufbau
  • Jüngere Absolventen und mehr Studierende durch eine verkürzte Studienzeit
  • Bessere Betreuung der Studierenden und größerer Praxisanteil im Studium

2) Wie sieht die Umsetzung dieser Ziele bisher aus?

Man muss zwar sagen, dass bisher noch nicht so viele Erfahrungen mit den gestuften Studiengängen bestehen, und daher die Datengrundlage noch eher schmal ist, aber es zeichnen sich bedenkenswerte Tendenzen ab:

  • Die Mobilität in den bisher geschaffenen Bachelor- liegt teilweise deutlich unter der der alten Magister- und Diplomstudiengänge. Trotz des häufigeren Wunsches nach Wechsel (16% vs 5 bzw. 4%) wechseln nur 10% der Bachelor Studierenden (vs.13 bzw.12%) tatsächlich die Uni und vor allem nicht innerhalb des Studienganges (nur 1 von 100 Studierenden vs. 5 bzw. 4 v.H.).
  • Auch die Internationalität ist niedrig. Gerade einmal 3% der Bachelor-Studierenden haben ein oder mehrere Semester im Ausland verbracht.
  • Die Abbrecherquote ist entgegen der Erwartungen nicht gefallen, sondern gestiegen. Insgesamt lag die Abbruchquote 2006 an Unis und FHs bei durchschnittlich 21%. Im Bachelor lag sie durchschnittlich bei 30% und an den FHs sogar bei 39%
  • Eine bessere Betreuung der Studierenden ist an vielen Universitäten und Fachhochschulen faktisch nicht möglich, weil das Personal nicht entsprechend aufgestockt worden ist. Vielerorts kann mit den bisherigen Finanzmitteln bei der vorgesehenen Bachelor Betreuungsrelation kein einziger Master-Platz geschaffen werden.
  • Die Einbindung von Praxisphasen wird von den Studierenden als mangelhaft beschrieben und nur 30% der Studierenden absolvierten ein Praktikum (davon 13% Pflichtpraktika). In den alten Studiengängen lag diese Zahl bei 45% (25% Pflichtpraktika)
  • Die Akzeptanz unter den Studierenden fällt deutlich. Nur noch 36% bewerten Bachelor-Studiengänge als positiv. 2003 waren es noch 51%.

3) Was sind die wesentlichen Vor-und Nachteile der Reform und wo kann daher Kritik ansetzen?

Vorteile:

  • Es gibt den bisherigen Studien zufolge in den Geisteswissenschaften weniger Abbrecher.
  • Die Absolventen sind in der Regel jünger bei Beendigung des Studiums. Erkauft wird dies allerdings mit einer weniger breiten und fundierten Ausbildung.


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